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Ludwigs Geschichten - Folge 01 - Wie alles begann

Wie alles begann

Ein tobendes Wintergewitter, begleitet von grellen Blitzen, tosendem Donner und wildem Schneetreiben, zieht drohend und düster am Horizont auf und verdunkelt den abendlichen Himmel. Ein bitterkalter Wind pfeift über das Land und bringt frostigen Schneeregen, der sich wie eine unerbittliche Eishand über das Land legt.

Irgendwo im Niemandsland gibt es einen alten heruntergekommenen Bauernhof, der schon seit Menschengedenken nicht mehr bewirtschaftet wird. Auf dem weitläufigen und verwilderten Gelände des Anwesens steht ein winziger Hundezwinger mit einer verwahrlosten und schon fast verfallenen kleinen Hundehütte aus fauligem, morschem Holz. Der Zwinger ist eingezäunt von rostzerfressenem Maschendrahtzaun. In der Hundehütte fürchten zwölf verängstigte

Hunde um ihr Leben: eine Hundemama mit ihren elf winzigen Welpen, die gerade erst eine Woche alt sind. Die besorgte Hundemama sammelt liebevoll und zärtlich ihre kleinen Babys ein und redet ihnen beruhigend zu, um ihnen die Angst vor dem düsteren Gewitter und der Ungewissheit der Zukunft zu nehmen.

Kaum sind die Kleinen eingesammelt und im Schutze der heruntergekommenen Hundehütte untergebracht, schlägt mit ohrenbetäubendem Lärm ein gewaltiger Blitz in unmittelbarer Nähe in einen mächtigen Eichenbaum und teilt diesen mühelos entzwei. Während die eine Hälfte des Baumes unerschüttert den Gewalten des Unwetters trotzt, durch das jahrzehntealte Wurzelwerk in der feuchten Erde verankert, stürzt die abgespaltene Hälfte der Eiche, tosend und krachend, nur wenige Zentimeter neben der Behausung der verängstigten Welpen auf den Boden.

Durch den donnernden Lärm und die plötzliche Erschütterung verängstigt, kuscheln sich die Babys noch enger und näher an die wärmende, schutzbietende Mama. Nur einer der Welpen liegt noch zitternd etwas abseits der Sicherheit der Familie, er wird von seinen Geschwistern nicht akzeptiert. Er wurde von ihnen verstoßen, weil er so furchtbar große Ohren hat und damit in etwa aussieht, wie eine unglückliche Mischung aus einem Esel und einem Dackel. Noch dazu ist er viel zu klein, winzig klein ist er sogar, denn er war der letzte seines Wurfes. Mit seinen langen, dünnen Beinchen, seinem viel zu großen Kopf und seinen noch größeren Ohren wirkt der kleine Ludwig fast ein klein wenig lächerlich, wie eine Maus auf Stelzen. Verängstigt und in unendlicher Einsamkeit kauert sich der kleine Ludwig noch ein wenig mehr zusammen, macht sich unsichtbar, für seine Geschwister, für das furchteinflößende Gewitter – für die böse und grausame Welt um ihn herum. Plötzlich öffnet sich

quietschend die schon seit Jahren nicht mehr geölte Zwingertür, schwere Schritte kündigen polternd die Ankunft eines fluchenden Zweibeiners an. Die verängstigten Welpen wissen, das bedeutet meist nichts Gutes! Beunruhigt schreckt die Hundemama hoch und stellt sich schützend vor ihre ängstlich zitternden Babys. Sie fürchtet, dass die Kleinen, wie auch das letzte Mal, viel zu früh ihrer mütterlichen Obhut entrissen werden. Sollen sie denn jetzt schon zum Verkauf in die Tierhandlung verschleppt werden? Sie sind doch noch sooo klein und hilflos, viel zu jung um schon in die große weite Welt geworfen zu werden, in der doch alles so fremd für sie ist! Humpelnd nähert sich der schnaufende und schwer atmende Zweibeiner langsam der Hündin und ihren über Alles geliebten Welpen, unter dem Arm schleppt er eine abgenutzte Plastikplane und eine alte, von Motten zerfressene Wolldecke. Unangenehm breitet sich der modrige

Geruch der Decke aus, die achtlos über die kleinen Hündchen geworfen wird, während der Zweibeiner die Plane lauthals schimpfend und fluchend an der Hundehütte befestigt. Auf keinen Fall sollen seine geldbringenden Welpen schon vor dem Verkauf durch die bittere Winterkälte sterben! Von der unerwarteten, schon beinahe barmherzigen Geste des Zweibeiners irritiert, blickt die Hundemama dem Zweibeiner erleichtert nach, als dieser den Zwinger wieder verlässt. Die polternden Schritte und das Fluchen des Zweibeiners werden langsam leiser und verstummen letztendlich ganz. Zu hören ist nur noch das leise Grollen des abklingenden Schneesturms, der über das Land hinweg zieht. Kurze Zeit später schläft die frierende und von den Strapazen erschöpfte Hundemeute endlich ein. Alle, bis auf einen! Der kleine Ludwig liegt noch immer etwas abseits. Vorsichtig und hungrig nach Liebe kuschelt er sich dicht an den warmen Rücken seiner Mama und schlüpft

dankbar unter einen Zipfel der Wolldecke, die sie ihm heimlich, ungesehen von seinen Geschwistern, zugeschoben hat.

Ein wenigerholt erwachen die Hundebabys nach der kurzen stürmischen Nacht in einer völlig neuen Welt! Das ganze Land ist wie von Puderzucker bedeckt, der blütenweiße Schnee und die in der Sonne wie Diamanten funkelnden Eiskristalle blenden die kleinen müden Augen. Doch bevor es daran geht die neue und unbekannte Welt zu erkunden, meldet sich zu allererst, ganz tief unten in den 11 kleinen Bäuchlein, ein Bärenhunger! Die gierige Meute stürmt zielstrebig auf die Zitzen der Mama zu, um sich erst mal einen kräftigen Schluck an der Milchbar zu genehmigen! Doch da die Hundemama nur 10 Zitzen für die 11 kleinen Racker zu bieten hat, bleibt wie immer einer auf der Strecke: Der kleine Ludwig! Der kleinste und schwächste ist natürlich mal wieder als Letzter an der Reihe und muss sich mit den

kläglichen Resten begnügen, die seine hungrigen Geschwister für ihn übrig gelassen haben. Richtig satt wird man davon natürlich nicht und so kann man auch nicht größer und stärker werden!

Nach dem Frühstück stürmen die 11 kleinen Spürnasen unverzüglich hinaus in den Schnee, wo sie sich begeistert ins Vergnügen stürzen, ausgelassen toben und ihre erste Schneeballschlacht erleben. Da Ludwig wie üblich nicht mitspielen darf und von seinen Geschwistern nur die kalte Schulter gezeigt bekommt, verzieht er sich traurig winselnd in eine dunkle Ecke des Zwingers. Seine Mama versucht ihren Kleinsten zu trösten und ermuntert ihn, doch mit den anderen herumzutoben anstatt sich von ihnen einschüchtern zu lassen, als sich die Zwingertüre wieder quietschend öffnet. Durch die Tür schiebt sich schwerfällig die riesige Gestalt des Zweibeiners. Von der Unterbrechung des Spiels verunsichert

versuchen die kleinen Hündchen sich erschrocken in ein Versteck zurückzuziehen. Doch der Zweibeiner ignoriert die verstörten Kleinen, stapft zielstrebig auf die Mutter zu, packt sie brutal am Nackenfell und schleppt sie mit sich zurück in Richtung der Zwingertüre. Im hinausgehen wirft er achtlos noch etwas Trockenfutter auf den Boden, direkt vor die verweinten Augen der 11 zurückgebliebenen, verzweifelten Hundebabys. Zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben alleingelassen, schleicht sich unendliche Furcht in die kleinen Herzchen der zitternden Welpen!
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